Fragmente

I
Ich spüre nicht mehr die Dinge… nur mehr den Abgrund aus Einsamkeit zwischen mir und den Dingen…

II
Mein Herz sieht im Spiegel der Worte kein Du…

III
Begriffe: ein abstrakter Knochenwald ohne nährende Wurzeln… das Wort als übriggebliebenes Gerippe von entseelter Welt… der Dialog als hysterisches Abreagieren eigener Setzungen..

IV
Anhedone Scham: romantisiertes Selbstbild von Authentizität kollidiert mit fingiertem Funktionieren(müssen)… das Vorgaukeln einer würdevollen Existenz hinterlässt den Beigeschmack des Würdelosen…

V
Verwehrte Traumfluchten… Einsamkeit ist wie eine klebrige Masse, die einen an die Realität bindet… wie ein Schreien im Kopf, das jede Melodie übertönt… wie ein Monster, das einem den Sauerstoff aus den Lungen drückt, so dass man nicht laufen kann… ein saturninischer Alb…

VI
Identifikation versus Objektivation… Vertreibung aus der Realität oder Vertreibung aus dem Selbst… beides schmerzt… entweder man geht an der Hitze der Verbundenheit zu Grunde oder man stirbt an der Kälte der Entfremdung…

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Herbst

Mondstill
der Atem
müde wie
nasses
Laub

was bleibt?

Leuchtende Blüten
begraben in den
Traumfurchen der
Erinnerung

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Gletscher: damals und heute

Da ich die Alpenwanderung bereits 2011 und in Teilen 2015 gemacht habe, war es interessant den offenkundigen Rückgang der Gletscher zu verfolgen.
In einem landeskundlichen Werk über Österreich habe ich zufällig eine Abbildung des Mittelberger Ferners von 1870 gefunden. Darauf sieht man, dass der Gletscher bis hinunter ins Pitztal reichte. Das Foto darunter zeigt mehr oder weniger dieselbe Einstellung heute. Der Gletscher ist heute vom Talende aus nicht einmal mehr sichtbar.

 

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Alpenwanderung 2017

Ende August machte ich wieder einmal eine Alpenüberquerung. Wobei ich zugeben muss, dass ich die ersten drei Tourtage ausgelassen habe und erst in Zams zu meiner Gruppe gestoßen bin. So konnte ich die Wanderung in 7 Tagen bewältigen.
Von Zams aus ging es ins Kaunertal. Von dort über die Verpeilhütte und Madatschjoch hinüber ins Pitztal. Dann weiter ins Ötztal und über das Timmelsjoch nach Südtirol.

Warum tut man sich das an? Für mich ist das Wandern eine Form der Meditation. Mein Bewusstsein ist voll konzentriert auf Bewegung, das Hineinhorchen in den Körper und in den notwendigen Pausen werde ich mit herrlichen Weitblicken, Licht- und Schattenspielen belohnt.

Das gewohnt-gewöhnliche Leben, die Alltagsroutine, die Arbeit, alles rückt weit in den Hintergrund. Übrig bleibt das „reine Sein“. Ich werde ausgeglichener. Die neurotischen Kreisbewegungen des Denkens verlieren sich. Ich bin im Augenblick und zufrieden.
Herrlich ist es aber auch entlastet zu sein. Keine Mahlzeiten, die es zuzubereiten gilt. Kein Supermarkt. Nach der Anstrengung wird entspannt. Ich liebe diese opulenten Frühstücksbuffets. Am Morgen dazusitzen, Orangensaft, Kaffee, die frischen Semmeln und dabei schon die Vorfreude auf die anstehende Wanderung.

Kühe sind seltsame Tiere. Sehen immer so aus als würden sie angestrengt über etwas nachdenken wollen, aber aus irgendeinem Grund klappt es nicht. Beim Wandern mache ich einen großen Bogen um sie. Begegnet man ihnen auf schmalen Wegen ist das nicht immer ganz einfach.

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Sommerasche

Sommerasche
regnet in
meine Seele

so müde
Trostdunkel
zu suchen,
Traumnebel
zu bilden

abgenutzte
Welt –
entheiligt

Gewissheit
des Falls –
abgrundtief …

mein Klagen
weint am
Moos der
Sterne

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Wanderung

„Das Leben rührt beständig zu wunderlich und machtvoll an mich. Und wenn der Tag so sonnendurchwirkt blaut – wenn die weite Waldung wie ein Dom die lichtzitternde Bläue trinkt und trinkt und kein Ende hat – wenn die Berge hereinsehen über das Wiegen der schimmernden Baumkronen, klar und verwegen in Umrissen aufragend, mit verschneiten Gipfelfeldern da und dort, die blenden blinken – dann ist es als braucht ich keinen Gott […] – Dann ist die Verinnerlichung schon eingekehrt in mich und macht eine Landschaft aus mir, die weit und lichtverwirkt wie der Spätsommertag der Unendlichkeit entgegenblaut. – Dann bewohnt mich wie ein Haus etwas, das strahlend und rätselvoll ist wie ein Gott.“ (Aus: Carl Dallago: Das Buch der Unsicherheiten)

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Schwermut

„‘… Nein, deine Schwermut, deine Müdigkeit – wenn es überhaupt das ist, was ich glaube – sind eher ein Anzeichen von Kraft … Die Spürfähigkeiten eines lebhaften, regen Verstandes, drängen manchmal über die Grenzen des Lebens hinaus, finden natürlich keine Antworten, und also entsteht Schwermut der Seele, die nach dem Geheimnis des Lebens forscht … Vielleicht handelt es sich bei dir um dasselbe … Wenn es sich so verhält, sind es keine Dummheiten.‘“

(Aus: Iwan Alexandrowitsch Gontscharow: Oblomow)

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