Melancholie

„Selige Trauer in Schönheit,
sinnliche Weite in Nähe,
schwalbenfluggleitende Sehnsucht,
Weide in perlendem Schweigen.

Landschaft in stillem Verwehen,
fließende Abendglutsonne,
Säume verwelkender Wälder,
Träume am Kreuz der Liebe.“

(Heinrich Kosnick: Melancholie; Aus: Gesänge des Hymenäus)

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Lichtvolles Sein

Sehnsucht
tropft von
Qual zu
Qual

unstillbar …

ferne
sinnend
Du und
Ich

küsst der
Mond die
Lider
grauer
Wolken …

unsichtbar …

nachtsingend
aus dem
Mantel der
Einsamkeit
lös‘ ich das
Schweigen

es klingen
die Silberfluten
es tönt das
Zauberblau
im dunklen
Wald

Atem
hebt sich …
langsam

ich
öffne
die Hände
und pflücke
die Reste
lichtvollen
Seins

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Einsperrung im Selbst

„In der spirituellen Pubertät geht uns auf, dass der große transzendente Horror die Einsamkeit ist, die Ausgeschlossenheit, die Einsperrung im Selbst. In diesem Alter würden wir alles dafür geben oder nehmen, jede Maske anlegen, um zu passen, um dazuzugehören, nicht allein zu sein […] Wir bekommen gezeigt, wie man Masken der Ernüchterung und der resignierten Ironie formt […]. Und dann ist er nicht mehr wegzukriegen, der missmutige Zynismus, der uns vor schmalzigem Gefühl und unkultivierter Naivität bewahrt.“

(Aus: David Foster Wallace: Unendlicher Spaß)

 

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Fragmente

I
Ich spüre nicht mehr die Dinge… nur mehr den Abgrund aus Einsamkeit zwischen mir und den Dingen…

II
Mein Herz sieht im Spiegel der Worte kein Du…

III
Begriffe: ein abstrakter Knochenwald ohne nährende Wurzeln… das Wort als übriggebliebenes Gerippe von entseelter Welt… der Dialog als hysterisches Abreagieren eigener Setzungen..

IV
Anhedone Scham: romantisiertes Selbstbild von Authentizität kollidiert mit fingiertem Funktionieren(müssen)… das Vorgaukeln einer würdevollen Existenz hinterlässt den Beigeschmack des Würdelosen…

V
Verwehrte Traumfluchten… Einsamkeit ist wie eine klebrige Masse, die einen an die Realität bindet… wie ein Schreien im Kopf, das jede Melodie übertönt… wie ein Monster, das einem den Sauerstoff aus den Lungen drückt, so dass man nicht laufen kann… ein saturninischer Alb…

VI
Identifikation versus Objektivation… Vertreibung aus der Realität oder Vertreibung aus dem Selbst… beides schmerzt… entweder man geht an der Hitze der Verbundenheit zu Grunde oder man stirbt an der Kälte der Entfremdung…

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Herbst

Mondstill
der Atem
müde wie
nasses
Laub

einsam …
zu den Sternen
fließt das
Sein

was bleibt?

Leuchtende Blüten
begraben in den
Traumfurchen der
Erinnerung

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Gletscher: damals und heute

Da ich die Alpenwanderung bereits 2011 und in Teilen 2015 gemacht habe, war es interessant den offenkundigen Rückgang der Gletscher zu verfolgen.
In einem landeskundlichen Werk über Österreich habe ich zufällig eine Abbildung des Mittelberger Ferners von 1870 gefunden. Darauf sieht man, dass der Gletscher bis hinunter ins Pitztal reichte. Das Foto darunter zeigt mehr oder weniger dieselbe Einstellung heute. Der Gletscher ist heute vom Talende aus nicht einmal mehr sichtbar.

 

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Alpenwanderung 2017

Ende August machte ich wieder einmal eine Alpenüberquerung. Wobei ich zugeben muss, dass ich die ersten drei Tourtage ausgelassen habe und erst in Zams zu meiner Gruppe gestoßen bin. So konnte ich die Wanderung in 7 Tagen bewältigen.
Von Zams aus ging es ins Kaunertal. Von dort über die Verpeilhütte und Madatschjoch hinüber ins Pitztal. Dann weiter ins Ötztal und über das Timmelsjoch nach Südtirol.

Warum tut man sich das an? Für mich ist das Wandern eine Form der Meditation. Mein Bewusstsein ist voll konzentriert auf Bewegung, das Hineinhorchen in den Körper und in den notwendigen Pausen werde ich mit herrlichen Weitblicken, Licht- und Schattenspielen belohnt.

Das gewohnt-gewöhnliche Leben, die Alltagsroutine, die Arbeit, alles rückt weit in den Hintergrund. Übrig bleibt das „reine Sein“. Ich werde ausgeglichener. Die neurotischen Kreisbewegungen des Denkens verlieren sich. Ich bin im Augenblick und zufrieden.
Herrlich ist es aber auch entlastet zu sein. Keine Mahlzeiten, die es zuzubereiten gilt. Kein Supermarkt. Nach der Anstrengung wird entspannt. Ich liebe diese opulenten Frühstücksbuffets. Am Morgen dazusitzen, Orangensaft, Kaffee, die frischen Semmeln und dabei schon die Vorfreude auf die anstehende Wanderung.

Kühe sind seltsame Tiere. Sehen immer so aus als würden sie angestrengt über etwas nachdenken wollen, aber aus irgendeinem Grund klappt es nicht. Beim Wandern mache ich einen großen Bogen um sie. Begegnet man ihnen auf schmalen Wegen ist das nicht immer ganz einfach.

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