Erkenntnis und Zweifel

Lese Philip K. Dicks „Zeit aus den Fugen“. Im Klappentext findet sich folgende Bemerkung über den Autor: „[Philip K. Dick] … hatte 1974 mysteriöse Visionen und verbrachte den Rest des Lebens damit herauszufinden, ob sie göttlichen oder psychotischen Ursprungs gewesen waren.“

Interessanterweise ergeht es dem Helden in seiner Geschichte, das Buch ist von 1959, ganz ähnlich: Ragle Gumm führt ein weitgehend durchschnittliches Leben in einer amerikanischen Reihenhaussiedlung, bis er merkt, dass die Realität um ihn herum nicht so real ist, wie sie scheint. Alles um ihn herum entpuppt sich als Fassade, deren Zweck es ist, ihn in dieser Illusion zu belassen. Das Buch könnte die literarische Vorlage zum Film „The Truman Show“ sein. Ragle versucht auszubrechen. Macht Versuche aus der Stadt zu flüchten, was ihm zunächst nicht gelingt. Er will diese Anderen dazu zwingen immer besser zu lügen und sie in Schwierigkeiten zu bringen.
Dabei findet sich der Held exakt in dem Dilemma, von dem die Notiz über den Autor oben sprach: was ist mir widerfahren: tiefgehende Erkenntnis oder Paranoia. Was erfährt einem: Erkenntnis oder Illusion (Lüge)?

Übertragen auf heute (auf mich): Sich selbst in Frage stellen, das eigene Bezugsystem in Frage zu stellen, ist nicht gesund. Es lebt sich leichter damit die Welt zu kategorisieren und neue Erkenntnisse in die vorfabrizierten Kategorien einzuordnen. Dort sind sie dann abgelegt und alles ist in Ordnung. Nichts bedroht das Gesamtsystem. Es kann arbeiten. Mann kann täglichen Beschäftigungen nachgehen. Erkenntnis, die einem widerfährt, muss als Wahrheit etikettiert und registriert werden. Hat man diese vorfabrizierten Boxen der Einordnung nicht (und ich habe sie nicht), dann findet man sich irgendwann wie leblos unter einem Schutthaufen aus Hypothesen, Möglichkeiten und Zweifel wider.

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3 Antworten zu Erkenntnis und Zweifel

  1. S.F. schreibt:

    Du hältst auch alles für möglich… Ja, dann hat man es schwerer als viele andere…
    Du hast völlig recht – dann gibt es zu viele Möglichkeiten. Welches Bezugssystem bietet die richtigen Werte, was ist meine Bestimmung?

    Ich muß Dir sagen, mein Kind hat mir geholfen. Babypflege und Kindererziehung haben biologisch so eine hohe Priorität, da kommen ganz tiefe Hirnareale zum tragen… da muß man einfach spingen und oft bleibt nicht viel Zeit für anderes (außer vielleicht abends etwas TV oder Bücher). Das hat Vor- und Nachteile, war aber vor allem erstmal erdend und hat meinen Depressionen ein Ende bereitet.
    Liebe Grüße
    S.F.

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  2. purpurtraum schreibt:

    hallo SF,
    ja, das kann ich nachvollziehen. Mir geht es bei langen Wanderungen so ähnlich: die Reduktion auf das Elementare, das Nächste, ist das einzig Wichtige… und so viele andere Dinge, mit denen sich der Kopf sonst herumplagt, werden so unbedeutend, so fern…
    Liebe Grüße!

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  3. S.F. schreibt:

    Ja, das kenne ich auch. Letztes Jahr Rennsteig komplett, dieses Jahr („nur“) vier Etappen Rheinsteig, allerdings bei 35 Grad Celsius. Alpines schaffe ich (wahrscheinlich) nicht, aber so geht es auch.
    Diesmal war ich wirklich richtig alleine, weil ja keiner so blöd ist ;-), bei den Temperaturen loszulaufen. Nach zwei Tagen ist der Kopf leer. Nur so: Wo lang, genug Wasser trinken, was gibt es zum Abendessen, wie ist das Kopfkissen… Hahaha, ist doch herrlich.
    Am schönsten ist das Gefühl, alles dabei zu haben, was man wirklich braucht. Und Frühstück, das einem jemand anders zubereitet – totaler Luxus. 😉

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