Spielball des Offenen

Ich schweige… so viele Gründe… der Zauber der Sprache schwindet, wenn die Seele nicht mehr atmet… wozu noch Literatur und die Suche nach dem Guten und Schönen, wenn die Lüge triumphiert und die Schlechtigkeit der Welt einem täglich wie ein Messer in die Seele fährt… ich liege wach, die ganze Nacht, lenke mich ab mit Fernsehen… (Terra X im Nachtprogramm… ich weiß jetzt Bescheid über Megavulkaneruptionen im 6. Jahrhundert, über Karl IV., den Minnesang oder den Zusammenhang zwischen Pest und kleiner Eiszeit…) ich kann nicht schlafen, habe keinen Appetit, die Arbeit bewältige ich wie ein Schauspieler seine Rolle… immer in der Angst auseinanderzufallen… was, wenn es noch schlimmer wird… ich kann nicht mehr lesen… sich begreifen als ein Offenes, Veränderbares wäre dazu notwendig… doch im Augenblick dominiert die Erschütterung über die Macht des Bösen… es fährt in mich, und manchmal ertrage ich kaum mehr Filme, in denen Menschen Böses tun, Intrigen spinnen, Manipulieren… bin zu offen für diese Schwingungen, und leide darunter… will wieder Souverän meiner selbst sein… will „galene“, die Meeresstille der Seele… doch wenn sie nicht da ist, bin ich der Spielball des Offenen… sich schützen, und doch nicht emotional abstumpfen… Aber vielleicht ist die Abstumpfung die Lösung… zurück in die Illusion, anders geht es vielleicht nicht… ich sehe in einen Abgrund, und fühle mich hilflos…
Heute ist ein guter Tag… überraschend… die Woche nie mehr als 4 Stunden geschlafen… ich weiß nicht, wie ich funktioniere, warum ich manchmal so anfällig bin für die Möglichkeit mich fortzuwerfen… so hat wohl jeder seine toten Winkel… manchmal führe ich kein Leben, sondern ich sehe das Leben nur wie ein mir fremdes Leben in genau dieser spezifischen Epoche… und ich weiß, dass ich nie glücklich werden kann, weil ich überall die Lüge sehe… die Lüge, dass Recht zu haben ein Freibrief ist, für die Unterdrückung anderer… Angst, immer ist es die Angst, nicht mehr entscheiden zu können unter den Alternativen der Trostlosigkeit… ich weiß nicht , ob meine Seele meines Lebens müde ist, wie es bei Hiob heißt… aber meine Seele ist zersplittert, kennt sich nicht mehr, hat keine Möglichkeit mehr sich als ein Eines zu sehen… Sich Ganz-Fühlen, wie soll das gehen? … Heute ist ein guter Tag… ich schreibe… und ich lasse meine Seele sprechen… Manchmal ist es die Harmonie von außen, die die Harmonie im Innern wieder herstellt… dieses schöne Stück Musik habe ich im Film „The master“ gehört und ich weiß nicht warum, aber es beruhigt mich so dermaßen… wie Kratzer auf meiner Seele, die ich plötzlich nicht mehr als Schmerz spüren muss…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Seelisches abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Spielball des Offenen

  1. Lieber Purpurtraum!
    Mir helfen gerade Sokrates Worte enorm, daher gebe ich es dir weiter.. so in etwa: fokussiere all deine Energie nicht auf das Bekämpfen des Alten, sondern auf das Erschaffen des Neuen.
    Ich weiß nicht ob dir das weiterhilft…
    Liebe Grüße
    Simone

    Gefällt 3 Personen

  2. Namika schreibt:

    Wie oft schweigen wir? Wie oft aus Angst? Doch in manchen Momenten geht es nicht, und das ist gut. Bin immer wieder erstaunt von dieser Offenheit und dem Gefühl, einander näher zu sein als möglich. Und auch, wenn die Tage sich ziehe und die Nächte keinen Schlaf zulassen – oh, und ich will mir nichts anmaßen, dazu habe ich kein Recht! – wir sind nicht allein. Und solche kleinen Boote treiben nicht ohne Schutz auf dem Meer. Manchmal greif eine Hand, manchmal gibt es Erbarmen. Hoffe, die guten Tage kehren immer wieder, hoffe, da ist jemand außer dem Meer. Dir alles Gute, umarmend, L.

    Gefällt 1 Person

  3. hafenmöwe schreibt:

    Lieber Purpurtraum…ich höre gerade das Lied, dass beruhigend für dich ist und stelle mir vor, wie Du es hörst.. – Mich beruhigt es auch, dieses Lied, sein Rhythmus, die samtige Altstimme, die dem Lied eigene Dynamik, das Ansteigen und Fallen der Melodie… , und sie schenkt mir auch ein Erschauern, wie eine Offenbarung, die ermutigen will, das große Gefühl nicht zu scheuen.
    Danke für dieses Lied und das Geschriebene. Dein Text hat mich berührt; erinnert an durchlebte Tiefen. Ich wünsche Dir mehr davon, was Dir gut tut. Liebe Grüße von der Hafenmöwe.

    Gefällt 3 Personen

  4. agnes p. schreibt:

    Ich ertrage die Welt nur, indem ich gerade alles Negative ganz konsequent ausblende; irgendwie schaffe ich das gerade mit der Abspaltung ganz gut. Aber wehe, ich denke zu viel nach! Ich war ziemlich lange in der Klinik und bin gerade erst Tagespatientin geworden und kann wieder zu Hause übernachten, hoffe, mein Zustand hält eine Weite und wünsche Dir, dass auch Du es schaffst, Deinen Filter etwas einzustellen. Ich fürchte, ohne den ist ein Überleben in unserer Welt nicht möglich.

    Gefällt 2 Personen

  5. Nachtpoetin schreibt:

    Deinen Text finde ich sehr berührend, auch wenn ich die Belastung durch Angstzustände nicht habe, nicht kenne. Ich sehe mir zwar auch jeden Abend die Nachrichten an, die ja meistens ziemlich deprimierend und beängstigend sind. Aber ich versuche all das nicht zu sehr in mein Herz hinein zu lassen, ich versuche mich abzugrenzen. Denn wenn nicht, dann ist damit niemandem geholfen, im Gegenteil. Not und Leid in der Welt hat es immer schon gegeben, auch in fürchterlichen Ausmaßen; ärger noch, als heutzutage. Vermutlich wird es auch immer so sein, auch zukünftig. Aber durch die Ängste wird vieles im Leben vermiest, es ist kein schönes Dasein, wenn man andauernd mit seinen Ängsten hadert. Sie rauben einem auch sehr viel Energie und Vitalität.
    Aber ich weiß, es ist nicht so einfach, mit den Ängsten zu leben oder sie loszuwerden. Sie sind wie schwarze Schatten, die einem überall hin folgen; sie lassen sich nicht abschütteln. Und es gibt viele Menschen, die davon betroffen sind und Hilfe benötigen.

    Ich persönlich versuche mich auf mein eigenes Leben zu konzentrieren, darauf, was mir Freude macht und mich vom Weltgeschehen, das teilweise beängstigend ist, so gut es geht innerlich abzugrenzen, es nicht zu sehr an mich heranzulassen. In der Gegenwart zu sein, und nicht ständig daran denken, was in 10 oder 20 Jahren sein könnte. Ich versuche mich mit solchen Gedanken nicht unnötig zu belasten, denn im Hier und Jetzt bringt mir das nichts.
    Und das Leid der Welt kann ich leider auch nicht beenden, so gern ich das täte. Ich kann nur auf die Vernunft der Menschheit hoffen, auf die guten Kräfte, auf die positive, vernünftige Seite in einem Jedem von uns. Darauf, dass die Menschheit irgendwann endlich erkennt, dass sie da ist, die Welt besser zu machen anstatt sie in Not und Elend, Hass und Angst, Unterdrückung und Ausbeutung versinken zu lassen.

    Ich habe zum Thema einen Beitrag in meinem anderen Blog (Silberstunden-Blog) gepostet, wenn du magst, kannst du sie mal lesen; hier ist der Link (ich bin so frei):

    http://silberstunden.blogspot.com/2016/12/das-neue-jahr-wir-haben-es-in-der-hand.html

    Ich wünsche dir mehr Leichtigkeit und die Kraft dazu! Es möge dir gelingen, diese Schwere, die auf deinen Schultern lastet und dich zu Boden drückt, zumindest ein wenig zu reduzieren, um leichter durchs Leben zu wandern und auch das Schöne bzw. die kleinen Freuden zu entdecken.

    Alles Liebe
    Nachtpoetin

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s