Glück… vergangen… fern…

Zeilen… irgendwo aus dem Niemandsland zwischen Akzeptanz und Aufruhr… mit leichter Tendenz zum Aufruhr (oder was davon übrig ist)…
Lebensbewältigung über Disziplinierung und Form scheint nicht mehr möglich… tägliches Auseinanderfallen erzwingt ein Ablassen… kann kaum noch lesen oder Gedanken in eine Systematik bringen… das Leben ist Chaos… war es wohl schon immer…
Konstatiere Unglück… ‚Du musst dein Leben ändern‘ – Rilkes erratische Gedichtzeile im ‚Archäischem Torso‘ als ständige Mahnung… und doch so unmöglich… sich aus seinem Unglück zu befreien… in ein Anderes zu gehen, wenn die Stunden einem nicht als Glück entgegen rauschen… die Welt einem als Zersplitterung, Lüge und unheilvolle Heimsuchung berührt…
Wie ändert man sein Leben… ohne Aufgabe, ohne Sinn… Leben als eine beständige Suche nach Glücksquellen… Berauschung als Daseinsimpuls… wenn der Sinn fehlt, die Aufgabe, die Hoffnung… auf Zukunft… und das Vertrauen in Menschen… was kann man noch tun in dieser Gesellschaft, wenn alle Lebensbereiche verseucht sind vom Zwang zur Kapitalakkumulation… erfolgreich, wer sich in einem Geschäftsmodell eingerichtet hat… und glücklich, wer erfolgreich verdrängen kann, wie er andere dabei über den Tisch zieht… ich will nicht mehr mit diesen Menschen, und kann doch nicht ohne… Veränderung ist immer ein Sich-Andienen-Müssen… für Anderes, das bewältigt werden muss, wo doch schon das Vertraute kaum mehr zu bewältigen ist…

Sah eben eine Folge von „Game of thrones“… wie ich diese Serie liebe. Es zeichnet die Reise des Helden… archaische Größe, die man uns ausgetrieben hat… die sich noch ausleben darf in der Ästhetik von Film und Musik… Charaktere, die ganz sind, ihre Aufgabe haben und ihr Ziel, und dabei Leben bestehen oder heroisch untergehen… und ich stattdessen: tägliches Sammeln, zur Arbeit gehen, Auseinanderfallen, sich mühsam zusammensetzen und das jeden Tag aufs Neue… jeden Tag in der müden Erwartung, dass dieses Gefühl der Beelendung nachlässt…

Irgendwo in meinem alten Blog schrieb ich mal den Satz „Meine Träume verdursten in der Wüste meines Schicksals“… Heute kommt mir der Satz sehr optimistisch vor… als hätte ich immer um mein Schicksal gewusst… doch wie glücklicher war ich noch als ich es akzeptierte… als ich die Kraft in mir spürte es zu tragen… das eigentliche Elend beginnt, wenn man sein Schicksal nicht akzeptiert, es als etwas Fremdes, Zufälliges erfährt… als eine kosmische Banalität…

Glück… das war nachts betrunken durch den Englischen Garten zu radeln… auch mal ganz ohne Licht… alles um einen war dunkel und doch war da überall Geborgenheit… im Nirgends war man doch ganz da und berechtigt und wertvoll… das Wunder geglückter Kommunikation in der Erinnerung, die Wärme des Sommers, Zirpen von Grillen und das ferne Rauschen des Flusses…

Ferne Tage… vergangene Sommer…

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4 Antworten zu Glück… vergangen… fern…

  1. Ariana schreibt:

    Wie sehr kann ich deine Gedanken nachvollziehen. . .

    Gefällt 1 Person

  2. Wort und Stille schreibt:

    Oh, diese vollkommene Dürre!
    Zu wissen, dass die Wüste zuzeiten blüht…

    Mir fällt ein Lied ein, vom Rosenstrauch, der …gen aller Zeiten Brauch blüht –
    ein sehr altes Lied.

    Warten ohne zu warten,
    Lieben ohne zu lieben – (ein seltsames/ungewöhnliches Verständnis von Liebe)
    Sein.

    Gefällt 1 Person

  3. Nachtpoetin schreibt:

    Ich denke, Glück ist Zufriedenheit und Zufriedenheit ist Glück. Es ist vermutlich nicht schwer glücklich zu sein, wenn man in seinem Leben mit allem zufrieden ist.

    Ich habe heute z. B,. laut aufgezählt, womit ich unzufrieden und womit ich zufrieden bin. Ich hätte nicht gedacht, dass es viel mehr Dinge waren, mit denen ich zufrieden bin.
    Und sogleich hatte ich die Idee, mir selbst jeden Tag die Frage zu stellen: Womit bist du HEUTE zufrieden? Dann habe ich mir sogleich die Frage für den heutigen Tag gestellt und nachdem ich wiederum einige Sachen aufzählen konnte, mit denen ich HEUTE zufrieden war, bekam meine heutige, etwas schwermütige Stimmung sogleich einen positiven Auftrieb. Ich fühlte mich gleich besser!

    Somit habe ich beschlossen, meine „Zufriedenheitsanalyse“ für eine Weile täglich zu praktizieren; mal sehen, wie die Auswirkungen sein werden. Ich denke, dass ich meinen Blick mit der Zeit verstärkt auf die Dinge in meinem Leben, die mich zufrieden machen, lenken werde, anstatt auf jene, die in mir Unzufriedenheit auslösen. Es ist ein Versuch wert; ein kleines Experiment!
    Vielleicht wäre das auch für dich ein wenig hilfreich…?

    Alles Liebe
    Nachtpoetin

    Gefällt 2 Personen

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