Wenn ich könnte …

Wenn ich könnte würde ich schreiben… über das Schwinden… über die Trauer… das Verblassen aller Tröstungen… wenn ich könnte würde ich das Schreckliche verdichten… würde das Furchtbare bannen durch die Einbindung in Text… es Ablegen… und mein Ich rein halten… das Absurde, die Gemeinheit, die Niedertracht menschlicher Verfasstheit… Subjekt, Prädikat und Objekt… dieser Verdruss an der gegenständlichen Welt… ein Innen… beständige Gängelung durch ein Außen… Prosa ist mir unerträglich geworden… ein vollständiger Satz ist wie eine Lüge… er täuscht etwas vor, was er nicht ist… abgeschlossen… in ganzen Sätzen zu sprechen ist wie eine Zustimmung, die mich Kraft kostet… Sprache als Abbildung des Bestehenden… will ich nicht… ich will Sprache als Instrument des Sich-Abstoßens in ein Anderes…

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8 Antworten zu Wenn ich könnte …

  1. fifteenfeet schreibt:

    Es gibt für alles eine Zeit. Jetzt ist vielleicht die Zeit zu schweigen.

    Manchmal muss man den Dingen ihren Lauf lassen. Selbst wenn das gerade Stillstand bedeutet.

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  2. purpurtraum schreibt:

    Ja, beständiger Wandel…und doch die Sorge, dass sich der Kreis nicht mehr schließt… dass neuerlicher Aufschwung nicht mehr möglich ist… und die Melodie verklingt… sich der Raum engt um einen… das Ich nicht mehr in der Lage ist sich mit Illusionen zu ummanteln und zu schützen… Realität zu Faktischem verkommt, ohne den Glanz und den Zauber des Glaubens an das Schöne und Gute…

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    • fifteenfeet schreibt:

      Wenn es so kommt, dann kannst du auch das nicht ändern. Selbst wenn es noch so glanzlos und leer sein wird, dann ist es so. Warum also heute aufbäumen gegen etwas, das man zeitlich (noch) nicht erfassen kann?
      Kann nicht Akzeptanz die Schließung des Kreises bedeuten?

      Sorge ist wie ein zu eng geschnürtes Korsett – es nimmt dir den Atem.

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  3. „Sprache als Abbildung des Bestehenden… will ich nicht… ich will Sprache als Instrument des Sich-Abstoßens in ein Anderes…“

    Das ist genial!

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  4. hannahbuchholz schreibt:

    Schreiben wir nicht genau deswegen Gedichte? Ist die Sprache der Lyrik nicht immer ein Intrument des Sich-Abstoßens in ein Anderes?

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    • purpurtraum schreibt:

      Ja, vielleicht verläuft genau hier die feine Linie zwischen Prosa und Poesie… die Eröffnung eines Erfahrungsraums, der nicht auf Anhieb greifbar ist… ein anderer Blick auf die Welt, eher dem Gefühl, der Stimmung verhaftet… eine Resonanz, die hergestellt wird durch das Wort, in dem das Wort nicht nur für sich selbst steht, sondern auf Anderes verweist…

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  5. hannahbuchholz schreibt:

    … „ein anderer Blick auf die Welt, eher dem Gefühl, der Stimmung verhaftet“ –

    ja, genau, ich finde, das hast Du sehr schön und treffend auf den Punkt bebracht… !
    Und vielleicht ist die Lyrik ja mehr als nur ein Instrument des Sich-Abstoßen in ein Anderes –

    Vielleicht ist sie bereits dieses Andere, das wir immer wieder suchen, vermissen, dem es sich immer wieder neu anzunähern gilt… ?

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    • purpurtraum schreibt:

      Ich frage mich auch woher das kommt? oder auch wie das Moment des Ästhetischen in der Sprache entsteht?
      Es geht irgendwie darum, dass der gewohnte feste Weltbezug aufgelöst wird, sich feste Konturen auflösen, das Ich sich erweitert oder mit anderem verschwimmt… Poesie hat also so ein Moment des „Transzendenten“, des Überschreitens in andere Zusammenhänge…
      Ob die Sprache selbst schon, wenn wir sie poetisiert verwenden, in diesem Anderen verortet ist, kann ich nicht sagen. Aber es ist sehr lohnend darüber nachzudenken… Ich verwende Sprache in der Tat eher als Verweis auf Dahinterliegendes… als ein notdürftiges Inventar mit dem es sich zu arrangieren gilt… in deinen Worten kommt es mir so vor, als würdest du das Überschreitende schon viel früher wahrnehmen, nämlich im Gebrauch der Sprache selbst…

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