Versuchung

Seit einigen Wochen bricht der Schmerz des Abschieds wieder hervor. Lähmt meinen Geist und meine Bewegung. Lähmt die Freude und tötet mir den Halt in einer ohnehin haltlosen Welt. Will das alles nicht. Fühle wie ich abgleite und mich an den Pflichten des Tages zu reiben beginne. Ich kämpfe täglich gegen die Versuchung an dir wieder zu schreiben.
Über Jahre hinweg warst du da: ein sicherer Hafen meines Innenlebens, meiner Ängste, meiner Sorgen, meiner Freuden… Reich wurde mein Leben durch deine seelische Nähe. Deine zarten Worte begleiteten mich durch den Tag und in die Nacht. Wir träumten. Und für eine wundervolle Weile glaubten wir an diesen Traum.
Und jetzt in den Stunden seelischer Schwere fühle ich diese Leere wie eine brennende Wunde in mir. Wie einen Krater in meinem Herzen, der immer größer und größer wird, je mehr ich ihn beachte… Und wie lange habe ich versucht ihn nicht zu beachten. Das Gefühl so voll mit Zusammengesetztem, dass ich es fortwarf. Die vielen Missklänge mir das Hören verdarben, und ich darüber die segensreiche Grundmelodie vergaß.
Wie schnell sich dunkel um alles legt, wenn Sehnsucht wie begraben liegt. Die Welt schwindet dahin. Kein Klang mehr rührt die Sinne. Worte ziehen vorbei im Nebel. Sterne liegen in Trümmern. Der Raum zerdrückt alles Seelische und speit es aus, als Farben und Punkte auf zitternder Netzhaut.

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2 Antworten zu Versuchung

  1. hannahbuchholz schreibt:

    Aber was würde denn eigentlich dagegen sprechen, ihr zu schreiben?

    Wenn zwei Menschen einander so wichtig waren, wenn sie über Jahre hinweg für einander da waren,
    wenn sie einander so nah waren, kann und muß sich dann wirklich alles, aber auch alles auflösen, nur weil sie feststellen mußten, daß sich der gemeinsame Traum nicht leben läßt?

    Könnte man einander denn nicht weiterhin austauschen, einander schreiben, einander freundschaftlich verbunden bleiben?

    Würde es sich nicht lohnen, einen Versuch zu unternehmen, angesichts der Seelenverwandschaft, die offenbar da war (und die sich ja wohl kaum einfach in Luft aufgelöst haben wird), die Paarbeziehung in eine Freundschaft zu verwandeln?

    Wie viele Seelenverwandte finden wir im Laufe unseres Lebens? Sie fallen ja nicht gerade vom Himmel.

    Und wäre es angesichts der Seltenheit und Kostbarkeit einer solchen Verbindung nicht wünschenswert, diese Verbindung aufrechtzuerhalten oder wieder aufzunehmen?

    Viele liebe Grüße,
    Hannah

    Gefällt 1 Person

  2. purpurtraum schreibt:

    Dagegen spricht, dass der Schmerz wieder aufbrechen würde. Es wäre ein Rückfall in die bitteren Monate des letzten Jahres. Ich musste mich ja entfernen von ihr, weil ich es seelisch nicht ertragen konnte, dass sie sich emotional entfernt hat… Diesen Schmerz musste ich begraben. Das habe ich getan. Der jetzige Schmerz ist anders. Aber lange noch besser und angenehmer als diese tägliche Konfrontation mit dem Ungeliebt-Sein.
    Das kann Jahre dauern bis mir das nichts mehr ausmacht. Noch ist es zu früh, um „nur“ Freund sein zu können. Und wenn es irgendwann vielleicht wieder ginge, dann ist die Welt nicht stehengeblieben. Und beide werden sich verändert haben…
    Und harmonisch war es am Ende nicht mehr. Dann stellt man sich auch die Frage, ob man sich vorher nicht nur etwas vorgemacht hat. Trotzdem war es schön in dieser Illusion zu leben. Das ist es, was ich vermisse. Dieser Schmerz ist jetzt dummerweise wieder aufgebrochen, obwohl ich ihn schon für überwunden geglaubt hatte.

    danke für deine Worte,
    liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

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