Stille Stunden der Nacht

Die vergangene Woche war mühsam. In jeder Hinsicht. Mühsam das Aufstehen. Mühsam das Einschlafen. Und mühsam die Zeit zwischen Aufstehen und Einschlafen, dieses schnöde Wachsein und Leben bewältigen müssen…

Es beunruhigt mich wie wechselhaft meine Einstellung meinem Leben gegenüber ist. Es gibt Tage da gefällt es mir in all‘ seiner überschaubaren Routine; immer darauf bedacht das Sinnvolle und Schöne zu tun, das Unangenehme zu meiden. Bis wieder eine Angst in mir aufsteigt, die wie ein dunkler Belag über all‘ meinem Denken und Tun liegt. Ich fühle mich als würde ich bei der geringsten Belastung auseinander fallen. Als würde ich zerbrechen wie Kristall und mich in meine Einzelteile zersplittert auf dem Boden verteilen. Unfähig mich wieder zusammen zu setzen, wieder ganz zu werden. Schicksal erscheint als nicht zu bewältigen. Leben als ein niederträchtiges Wählenmüssen zwischen Anpassung und Scheitern.
Kein Fließen mehr, kein Licht, kein Sehnen… nur mehr die matte Hoffnung, dass es bald besser wird, dass sich bald wieder Begeisterung entzünden wird in mir und die Welt zu leuchten beginnt…

Immer wenn ich nicht mehr kann, dann flüchte ich mich in die Nacht. Ich öffne sozusagen dem Tag eine weitere Tür, weil er mir zu eng geworden ist. Pflichterfüllung und Lebenserhalt. Irgendetwas in mir will mehr. Und sei es nur ein mehr an Zeit, um Dinge zu verarbeiten. Die Dinge bei mir ankommen zu lassen… Was mir fehlt in meinem Leben ist „leere“ Zeit. Eine Zeit wirklichen Nichts-Tuns. Jede freie Minute abseits der Arbeit muss verwendet werden. Ich verbeiße mich in die Minuten und schmecke ihre Bedeutung und ihren Wert. Umso mehr leide ich in diesen Phasen der Verzweiflung und der Müdigkeit. Das Programm ständigen Beschäftigtseins funktioniert dann nicht mehr. Weil ich die Lust am Tätigsein verliere, und doch gleichzeitig nicht ruhig werden kann, nicht ablassen kann…

In diesen stillen Stunden der Nacht sehne ich mich nach Ganzheit. Nach einer Persönlichkeitsveranlagung, bei der alles in dieselbe Richtung zieht. Immer ist es Zusammengesetztes. Immer Unvollkommenes, das sich am Anderen reibt. Gegenläufige Tendenzen, die mentale Reibung erzeugen. Ist sie gering, dann kann ich sie nützen, wird sie zu stark, dann fühle ich mich zerrissen und fremd… dann brauche ich Wochen, um mich neu zu sortieren und die Sonne wieder scheinen zu sehen…

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10 Antworten zu Stille Stunden der Nacht

  1. hannahbuchholz schreibt:

    Das kenne ich sehr gut, dieses Gefühl, bei der geringsten (weiteren!) Belastung auseinanderfallen zu müssen… ! In der Regel fallen wir aber nicht auseinander, sondern wir wachsen in solchen Momenten und in solchen Lebensphasen…. und wir fügen unsere Einzelteile wieder zusammen, wir integrieren sie…! Würden deine Einzelteile alle in die selbe Richtung ziehen oder zielen, dann wäre dies vielleicht angenehmer (wobei, es kommt natürlich darauf an, in welche Richtung sie ziehen oder zielen würden…; )
    Jedoch: wäre dies der Fall, dann wärst du eben nicht die komplexe Persönlichkeit, die du bist…!

    Liebe Grüße,
    Hannah

    Übrigens gefällt mir die Formulierung „dem Tag eine weitere Tür zu öffnen“ sehr gut… !

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  2. hannahbuchholz schreibt:

    Übrigens, kennst du das auch, wenn man manchmal glaubt, daß es Wochen dauern wird, bis man sich sozusagen wieder berappelt haben wird, und dann geht es – manchmal – doch sehr viel schneller, als man gedacht und befürchtet hat?
    Ich denke, es ist eine Frage der Energie und auch eine Frage der Elastizität.
    Nicht immer kann man alles, was man zu bewältigen hat, alleine bewältigen.
    Manchmal ist es einfacher und geht vor allen Dingen schneller, wenn man sich Hilfe von außen holt. Manchmal reichen aber auch schon eine einzige Nacht, in der man genügend Schlaf bekommt, ein einziger sonniger und halbwegs unbeschwerter Tag oder eine Stunde oder auch nur ein Moment (der Freude, der Erkenntnis oder des Glücks) aus, um sich wieder hoffnungsvoll, lebendig und ganz zu fühlen…!
    Natürlich wird dieses Gefühl nicht von Dauer sein, es wird vergehen (wie alles andere auch) – aber es wird zurückkehren… und (auch) darauf können wir uns verlassen!

    Viele liebe Grüße nochmal,
    Hannah

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    • purpurtraum schreibt:

      Ja sicher kenne ich das, liebe Hannah… Es kündigt sich aber irgendwie an vorher. Man hält sich zusammen so lange es geht, bis man sich irgendwann eingestehen muss, dass jetzt die lichtabgewandte Seite des Lebens gelebt werden muss… Hoffe sehr, dass es bald wieder helle wird… Ich bin beinahe schon froh, dass es draußen regnet und kalt geworden ist; es ist gerade die rechte Zeit um sich zu verkriechen und die Eindrücke der vergangenen Wochen und Monate bei mir ankommen zu lassen… und plötzlich geht es dann wieder, ja… danke dir sehr für deine lieben Worte!

      Gefällt 1 Person

  3. mylifeasdavid schreibt:

    Richtig toll geschriebener Text! Ich kenne das auch. Aber man soll sich nicht unterkriegen lassen. Was einen nicht unbringt macht einen nur noch stärker!
    https://mylifeasdavidblog.wordpress.com/

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  4. hannahbuchholz schreibt:

    Hier, hör doch mal dieses Lied hier, wenn du magst… !
    Das habe ich früher ganz oft gehört, das hat mich immer aufgemuntert… und das tut es auch jetzt noch… ! ; ) Oh, das lade ich vielleicht nachher oder morgen noch auf meinen Blog hoch, das gefällt mir immer noch…! Übrigens, hab vielen Dank für deinen Kommentar von vorhin! Ich freue mich!
    Liebe Grüße, Hannah

    Gefällt 1 Person

  5. hannahbuchholz schreibt:

    Du, aber falls es Dir nicht gefällt, das Lied, dann lösch es ruhig… also, meinen Kommentar samt dem Lied… vielleicht ist es auch nicht so passend, ich weiß es nicht. Eigentlich paßt es (vom Stil her) auch gar nicht zu meinen Regengedichten, aber nun habe ich es trotzdem mal hochgeladen… ; )

    Lieben gruß

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  6. Sa Pensadora schreibt:

    Wir sind gewohnt zu denken, dass die Menschen die mutig sind, sich vor nichts fürchten.
    Aber in Wirklichkeit sind sie mit der Furcht sehr vertraut. (Pema Chödrön)

    Bleibt mutig! Ihr alle – bleibt mutig!

    Gefällt 2 Personen

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