Stillewerden in Rastlosigkeit

Der gestrige Tag war wundervoll. So viel Energie und Lust auf Tätigsein. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Das Wetter mild. Selbst das bisschen Heuschnupfen machte mir nichts aus.
Habe derzeit ein Projekt, bei dem ich viel körperlich arbeiten muss. Das tut mir gut. Die Arbeit vergeht wie im Flug. Und ich bin immer ganz in der Aufgabe. Sehe mein Vorankommen und freue mich über die Fortschritte in der Gestaltung. Habe mental gar nicht das Bedürfnis nach einer Pause. Der Körper zwingt einen gleichwohl trotzdem dazu.
Für mich ist das immer ein Gradmesser für Glück: wie sehr schaffe ich es in der im Augenblick verrichteten Tätigkeit aufzugehen. Gelingt es mir gar mit ihr zu verschmelzen oder ganz darin zu verschwinden. Natürlich verschwindet man nicht ganz. Man ist ja mental immer da und findet es schön. Es ist mehr ein Stillwerden der inneren Stimme, die sonst vorantreibt. Diese Stimme, die beständig mit einem Lineal die Grundlinien des Lebens nachfährt und bemisst, wie weit sich Ideal und Wirklichkeit voneinander entfernt haben. Es tut so gut das Ich mit dem Moment ausgesöhnt zu wissen.
Ich fühlte mich selbst beim Ankommen zu Hause noch so voll, dass ich nicht in der Wohnung bleiben mochte und noch einen längeren Lauf rüber auf die Promenade machte. An den meisten anderen Tagen sehne ich den Moment endlich daheim zu sein herbei. Loslassen und Abschalten. Bei mir sein. Die Welt außen vorlassen. Das sind sonst die tragenden Merkmale meines Alltagslebens. Doch gestern war ein langevermisstes Grundempfinden wieder da: dass ich kein Fremdkörper in der Außenwelt bin. Dass ich mich spüren möchte im Außen und dass das Leben gut ist.

Was sonst noch? Sportlich bin ich wieder etwas zuversichtlicher als noch vor drei Wochen. Mitte Mai will ich mit Freunden in die Toskana zum Rennradfahren. Hatte vor drei Wochen eine Ausfahrt mit ihnen. Meine erste in diesem Jahr. Und ich brach so kolossal ein, dass ich sogleich gedachte das Wochenende abzusagen. Aber am letzten Sonntag ging es schon sehr gut und es machte auch endlich wieder Spaß.
Einmal im Monat möchte ich von nun an meine Cover-Version des Monats vorstellen. Das Stone-Roses-Cover von gestern war die Version für April Ich mag es nach Gruppen oder Liedern zu suchen, die mir gefallen und mir dann eine Vielzahl von Arrangements anzuhören. Habe außerdem eine Vorliebe für akustische Gitarren. Deshalb werden die meisten Covers „nur“ aus einer Gitarre und einer Stimme bestehen.
Ich habe Henry James „Die mittleren Jahre“ zu Ende gelesen. Schlechtes, enttäuschendes Buch! Ich sage das selten über ein Buch, weil ich eigentlich immer irgendetwas für mich herausziehen kann oder mich manchmal auch nur an einem gelungenen Zitat erfreue. Das Beste, das ich über das Buch sagen kann, ist dass es kurz war. Dabei hätte das Thema so viel hergegeben: der alternde, sterbende Schriftstellern, der zurückblickt auf sein Leben, der gerne noch einen Versuch hätte und einsehen muss, dass das Leben einen nur diesen einen Versuch gibt.
Den ganzen Nachmittag während der Arbeit hatte ich dieses Lied im Kopf. Macht mich zugleich traurig, glücklich und melancholisch.

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6 Antworten zu Stillewerden in Rastlosigkeit

  1. Ariana schreibt:

    Ein zauberhaft schönes Video und wie schön, dass du dich gut fühlst und einige schöne Dinge anstehen. 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. purpurtraum schreibt:

    Danke dir für deinen lieben Kommentar!
    Ja, ich schreibe hier oft so tristes Zeug, dass ich ganz froh bin, auch mal etwas freudiger und zuversichtlicher schreiben zu können… :o)

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  3. hannahbuchholz schreibt:

    Magst du vielleicht mal diese Coverversion hören: die Australierin Courtney Barnett spielt das INXS-Album Kick „nach“ – nur Courtney und ihre Girtarre, die allerdings gelegentlich gesampelt wird.
    Also, ich finde es großartig! Vielleicht paßt es in deine Cover-Sammlung hinein…?

    Liebe Grüße und viel Spaß beim Hören, falls du es dir anhören magst….

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  4. hannahbuchholz schreibt:

    …ehrlich gesagt höre ich mir diese Coverversionen hier lieber an als die Originalversionen… ! –
    Vielleicht, weil Courtney Stimme so zart und doch so kraftvoll klingt… und dann wieder so zerbrechlich… einfach anrührend.
    Besonders das dritte Lied (Devil inside) finde ich in dieser Coverversion von Barnett ganz großartig….
    aber auch New Sensation und Need you tonight…. und Mystify… Aber hör selbst… ! ; )

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    • purpurtraum schreibt:

      Ja, ich mag, wie sie jedem Lied einen ganz anderen Charakter gibt. Meist viel zerbrechlicher, genau.
      Bei einigen Lieder passt das sehr gut. Andere mag ich im Original lieber, kraftvoller und lauter wie „Never tear us apart“.
      „The loved one“ hat mir gut gefallen. Kannte das nicht und es mir eben auch von INXS angehört und gewundert, dass es INXS schon Anfang der 80er Jahre gab. In den 90ern waren sie dann ja so richtig Mainstream… liebe Grüße!

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  5. hannahbuchholz schreibt:

    Oh, das freut mich sehr, daß du diese Lieder oder einige dieser Lieder auch magst… !
    Ja, „Never tear us apart“ habe ich mir gerade eben auch noch mal im Original angehört, und ja, stimmt, das ist natürlich schon kraftvoller… ! Ich habe die Originalversion jetzt gleich mal auf meinen Blog hochgeladen… ; ) Ja, es gab sie schon in den 80er Jahren, aber da war ich wohl noch zu jung für INXS, und in den 90ern waren sie dann so sehr Mainstream, daß sie mich nicht interessierten. Vor kurzem erst habe ich sie dann sozusagen für mich entdeckt… ! ; ) Liebe Grüße!

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