Süße Pflichten

Ich bin dankbar, dass ich diese Woche sehr gut bestehe. Ja, dass sich sogar so etwas wie Routine herstellen lassen konnte. Und das Tollste ist, dass ich wenn ich von der Arbeit komme, immer noch Energie habe: ich gehe dann meinen Lern- und Pflichtenplan durch und drucke mir die Dinge, die ich noch erledigen möchte aus. Ich schaffe nicht alles, aber wichtig ist die Struktur, die es verleiht, und dass ich überhaupt wieder zu einer Regelmäßigkeit in meinem Tun gelange.

Einmal in der Woche koche ich etwas nach Kochbuch. Das geschieht per Losverfahren, so dass ich mich selbst überraschen kann. Diesmal traf es die Karamelsauce. Hatte eigentlich nicht wirklich Lust auf Süßes, aber war doch reichlich gespannt, ob das Ergebnis dann einer Karamelsauce wenigstens nahe kommt. Und tatsächlich: sie ist sehr gut geworden. Verboten süß. Erschreckend lecker.

Ebenso gehört das Blogschreiben zu meinen „Pflichten“. Auch wenn ich nicht immer Lust habe etwas zu schreiben oder erstmal auch keinen Plan habe worüber ich schreiben könnte, (denn so wirklich spektakulär ist mein Leben ja nicht), so gibt es mir die Befriedigung ein paar Sätze formuliert zu haben. Wenn ich sehr depressiv bin, dann gelingt das nicht. Dann fühlt sich das Konstruieren von Sätzen an wie das Kratzen auf einer Tafel.

Nur mit dem Lesen klappt es nicht so ganz. Hoffe auf das Wochenende. Lese zurzeit „Bleak House“ von Charles Dickens. Nach anfänglicher Begeisterung quäle ich mich nun doch sehr durch die vielen Nebenhandlungen. Ständig neue Charaktere. Die Nebencharaktere der Nebencharaktere. Habe mir gestern neue Bücher besorgt. Fange am Wochenende mit T.C. Boyles „World’s end“ und Wolfgang Herrndorfs Geschichtenband „Diesseits des Van-Allen-Gürtels“ an.

Denke viel über die chaotische Weltlage nach. Die Zerstörung der Lebensgrundlagen unserer Spezies schreitet munter voran. Die Spirale aus Verschuldung und Schuldendienst zwingt die Staaten in den globalisierten Markt. Wo sie natürlich keine Chance haben, wo die Menschen noch als billige Arbeitskraft und als Konsument gebraucht wird, während Millionen keinerlei Perspektive geboten wird. Die vielbeschworene Flexibilisierung und der freie Markt. Und ich sehe die Menschen verzweifelt über den Planeten huschen. Doch keiner braucht sie. Keiner will sie. Eine beispiellose Entsolidarisierung hat eingesetzt, und die Nischen werden immer enger, und der Wohlstandskuchen immer kleiner…

Und so bedauerlich, dass es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, keinerlei utopisches Verlangen mehr zu geben scheint. Kein Ghandi, kein Che, keine Befreiungsbewegungen der Dritten Welt, nur ein Hinterherhatzen nach Arbeitsplatz, Konsum und einem Ort zum Bleiben.

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2 Antworten zu Süße Pflichten

  1. teerdurchzogen schreibt:

    Mein Like stellvertretend für den gesamten Blog. Du verstehst dich sehr gut auszudrücken, mitunter eindrucksvoll. Hoffe für dich, der Aufwärtstrend hält an und dass du dich nicht zu sehr an den Schmerz gewöhnst. Sei mir lieb gegrüßt.

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    • purpurtraum schreibt:

      Oh wie schön. Mal wieder ein Kommentar. Dank‘ dir recht herzlich! Ja, Aufwärtstrend hält an (weitgehend), auch wenn es mal schlechte Tage gibt zwischendurch. Dir auch liebe Grüße. Ich hoffe man liest sich…

      Gefällt 1 Person

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