Kommunikation im Kreis

Wenn wir kommunizieren drehen wir uns im Kreis. Ich sage, dass ich unter deinem emotionalen Rückzug leide, und du sagst mir, dass du auch gelitten hättest, als ich mich (angeblich) zurückgezogen hätte. Ich hätte „die Tür zugemacht“, wie du sagst… Ich spreche von meinem Leid, daraufhin sprichst du von deinem Leid…

Du hast es geschafft dich von mir zu entwöhnen, brauchst mich als einen Puffer gegen die Einsamkeitsschübe… du brauchst mich als einen Freund, doch ich leide, darunter, dass du Themen aussparst, dass du mir nur mehr Ausschnitte deines Lebens präsentierst, wo ich dich als Mensch in deiner Ganzheit erfahren möchte… Und ja, vermutlich ist es selbstsüchtig von mir, dass ich mich nicht mit diesem Kompromiss zufriedengeben kann… die kleine Flamme, auf der unser Verhältnis weiterlaufen soll, ist für mich unerträglich…

Dazu immer die Erinnerungen an die Zeit, als du mir noch ganz zugewandt warst… als du mir noch Gedichte schriebst, die so wunderschön waren… als du mich ein „Geschenk des Schicksals“ nanntest, was du für mich auch ohne Zweifel gewesen bist…

Ich muss irgendwie versuchen wieder Normalität in mein Leben zu bekommen. Ich bin zu keinem geraden Gedanken fähig. Ein Buch lasse ich nach 10min wieder liegen, weil ich ständig den Faden verliere oder Kopfschmerzen bekomme… Das, was mir immer Sinn gegeben hat, was mein Leben strukturierte, das ist für mich nicht mehr abrufbar (im Augenblick)…

Ich gehe jetzt vor die Tür und versuche mich an einem kurzen Lauf rüber auf die Promenade. Nicht weil ich Lust dazu habe, eher aus einer unbestimmten Neugier, wie mein Körper darauf reagieren wird… Es wäre so schön, wenn ich mich wieder definieren könnte… über die Dinge, die mir was bedeuten, die mir ein gutes Gefühl geben… der Sport, die Literatur…

Oft denke ich, dass es vielleicht mein Lebensplan ist diese Formen der Enttäuschung durchzumachen: nicht nur auf der zwischenmenschlichen Ebene, auch auf der körperlichen und geistigen Ebene… Es ist beängstigend, wenn Sicherheiten wegbrechen… Wenn das, was dir einst Zuflucht war, nicht mehr in der Form Befriedigung verschafft… das Leben als Prozess, und mein bewusstes Ich immer nur ratloses Subjekt inmitten der Verworfenheiten des Seins…

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