Aus jeder Pore meiner Sprache

Das Schreiben im Blog stagniert. Wieso war es früher so viel leichter? Warum kostet es mich heute so viel Überwindung Gedanken aus mir heraustreten zu lassen?

Ich denke mein Fehler besteht darin, dass ich heute nur mehr schreiben möchte, wenn mir etwas sicher scheint. (Und wie viel ist das schon?). So oft schwanke ich in meinem Urteil. Bin mir unsicher.
Früher war gerade diese Unsicherheit der Ausgangspunkt des Schreibens. Ja, der Reiz des Schreibens bestand gerade darin, andere an diesem Prozess einer Urteilsfindung teilhaben zu lassen. Schreiben war gerade das Präsentieren dieser Unsicherheit, des Unfertigen. Es war nicht selten Offenlegung meines Scheiterns.

Es ist dieser Mangel an Mut zur subjektiven Perspektive, der mich am Schreiben hindert. Mein Ich sitzt in der Falle eines Objektivierungswahns, der das subjektive Erleben im Schreibprozess nicht gelten lassen mag. Konkret: wie über ein Buch schreiben oder wie ein Urteil über einen Film abgeben, wenn es mir objektiv gar nicht möglich scheint. Ja, ich vielleicht nicht mal gewillt bin. Dafür gibt es Feuilleton, und Leute, die das so viel besser können. Nein, das ist nicht meine Vorstellung vom Medium Blog. Und dennoch möchte ich so schreiben können. Klar, abgeschlossen, fertig, um es in Stein zu hauen.

Es muss also darum gehen meiner natürlichen Veranlagung wieder Geltung zu verschaffen. Und die besteht nicht im Finden und Präsentieren von Antworten. Denn aus jeder Pore meiner Sprache quillt mir Subjektivität in die Zeilen. Es war ein Fehler dies als einen Mangel zu betrachten. Deshalb: diesen Wahn zum Objektiven in die Mottenkiste. Neubesinnung auf das Unvollkommene. Ein Zepter und eine Krone für mein (subjektives) Nicht-Wissen.

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